Index | Charaktere | Alex Kraus | Alex Intermezzo
20. Juli 1998, frühmorgens.
Am Morgen wachte Alex schon recht früh auf. Tags zuvor hatten sie Sarah befreit. Die Polizei und die Ärzte hatten sie blutend und halb betäubt in einem Hangar gefunden, zu dem sie von Alex gerufen worden waren. Im gleichen Hangar fand man auch den Mann, der sie kaufen - kaufen! - wollte, zusammen mit dem, der sie für Geld einem schlimmeren Schicksal ausliefern wollte, als es selbst Alex gehabt hatte. Und dieser Mann war ihr eigener Onkel, ein Blutsverwandter!
Dabei hatte er noch Glück gehabt. Hätte er sich etwas mehr gewehrt hätte er so geendet wie der stiernackige Bulle, den er bezahlte. Als der sich Alex in den Weg stellen wollte hatte er ihm einfach die Kehle durchgebissen. Das wievielte Gesetz war das doch gleich? "Du sollst nicht das Fleisch der Menschen essen." Das siebte war es wohl. Aber er hatte ja brav wieder ausgespuckt; als ob er auch nur einen Fitzel von diesem ekeligen Typen hätte herunterbringen können.
Moja hatte das wohl ganz schön geschockt. Typisch Frau: erst die heldenhafte Rettungsaktion starten - aber wenn sich dann nicht alle brav ergeben wenn man ihnen nur sagt, daß das was sie da tun unrecht ist, dann auf einmal den moralischen kriegen. Wenn es nach Alex gegangen wäre hätten sich die anderen beiden ruhig noch ein wenig wehren können, es wäre um keinen der beiden schade gewesen.
Und dann? Dann hatte alles angefangen, schief zu gehen. Die Polizei hatte sich Sarah's Vater, der sie seinem Bruder verpfändet hatte um seine Schulden zu bezahlen, geschnappt ehe Alex ihn nochmal auf die Sache hatte ansprechen können. Und Sarah's Bruder war daraufhin heulend bei ihnen untergekrochen als ob Olaf's Bund nicht "Bunker", sondern "Rockzipfel" hieße. Jetzt gerade war er wahrscheinlich dabei, den Bunker nach Rex zu durchsuchen - und das letzte, was Alex brauchte war ein Neunjähriger, der auf der Suche nach seinem Spielgefährten in sein Zimmer gestürmt kam. Also stand er lieber schon mal auf und zog sich an, die Gedanken ständig dabei, wie der Torsten entgehen konnte. Grenzgänger. Das war die Lösung. Untertauchen, nur für ein paar Tage, bis Torsten wieder bei seiner Mutter war.
Doch gepriesen seien die Nocker! Torsten ging seit sieben in der früh Eric auf den Wecker, der scheinbar nicht so recht wußte, ob er den Jungen anschnauzen und aus seiner Werkstatt werfen sollte oder ob er ihm doch alles erklären sollte, wonach Torsten fragte. Bisher schien Eric's Geduld aber so unerschöpflich wie Torsten's Wissensdurst zu sein. Naja, die beiden schissen ja praktisch noch in die selben Windeln, waren also etwa gleich alt. Und Torsten war offensichtlich noch nicht aufgegangen, daß alles, was Eric herstellte früher oder später explodierte, zerbrach, Fehlfunktionen zeigte oder einfach kaputt ging. Außerdem - wer wollte schon wirklich wissen, wie dieser Nockerkram funktioniert? Meist war er eh' hin, ehe man's kapieren konnte. Na gut, Torsten schien es wissen zu wollen, also fragte er Eric gerade Löcher in den Bauch. Vielleicht konnte der ja mal einen mechanischen Wauwau bauen, der beim Pinkeln aber sicher den Baum nicht treffen würde.
Alex hatte gerade beschlossen, daß er die nächsten Tage bei Grenzgänger verbringen würde und war fast schon auf dem Weg nach draußen, als er mitbekam, daß ein Boggan im Bund war. Dar brachte wohl irgendeinen Brief. Egal. Irgendwas das Olaf betraf, dachte sich Alex und machte sich auf, seinen Wolfsfreund zu suchen...
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